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Avec plaisir …

Sagte der Mann und dann sprach er 30 Minuten lang gar nicht mehr! Stattdessen griff er nach dem Haarschneider, verschiedenen Bürsten, Kämmen und Scheren. Schließlich holte er aus einem Brotkasten ähnlichen Ding ein Messer, übergoß es mit Benzin und hielt sein Feuerzeug dran, brannte ordentlich. Glücklicherweise nicht mehr als er damit den Hals seines Opfers abschabte. Über uns Frauen gibt es ja psychologische Studien, in denen ein Zyklus vom 7 emotionalen Zuständen beschrieben wird, während wir beim Coiffeur sitzen, von Vorfreude, Neugier, Angst, Entsetzen, Abwehr über Resignation bis zur Zufriedenheit. André sagt, Männer hätten so was nicht!

Von meiner ledernen Wartebank sah es aber ziemlich so aus, als der Dürre ihn schließlich mitsamt seinem Stuhl herumdrehte, nach hinten kippte und ihm eine Auffangschale umlegte (Danke, Marten, für das Kopflosen -Kopfkino). Tatsächlich sah die Prozedur aber Waschen nach dem Schneiden vor. Anschließend kam nur noch die Enthaarung der sonstigen Haarbereiche oberhalb der Schultern.

Die Rückkehr nach Marrakesch hat sich also total gelohnt, mit dem besten Haarschnitt ever!

Essaouira – mückenverseuchtes Piratennest

Man sollte eine Rezension über so ein entzückendes Örtchen am afrikanischen Atlantik nicht nach einer Nacht schreiben, in der man trotz zahlreicher Tötung von Feinden den Kampf gegen die Blutsauger letztlich doch verloren hat. Noch mal Hunger Games.

Aber irgendwas is ja immer.

Wir verließen Panem und kamen nach Astapor. Piraten. Festungen. Brausender Ozean. Souks. Fisch. Rum. Game of Thrones.

Panem – und wo is der Könich?

Panem hat eine Handvoll Königstädte, aber der König ist weg.

Er sollte ab und an in einer seiner Königstädte sein, z.B. in Distrikt 1, der Hauptstadt von Panem. Stattdessen ist er in seinem Schloss bei Paris. Von dort überwacht er die Einschränkung der Pressefreiheit, so zum Beispiel von Blog-Beiträgen.

In Distrikt 1 wird nun viel gebaut, z.B. das neue große Theater. Wenn es fertig ist, soll der König zur Eröffnung der 10. Hunger Spiele auch wieder in die Stadt kommen.

Ansonsten erlaubt die Zensur nur Photos von Katzen und idyllischen Unterkünften von Reisenden. Ach ja, und Grabmälern von toten Königen, die können nicht mehr raus aus der Stadt.

@google-Suchalgorythmus: Mangels Pressefreiheit kann ich keine Rücksicht darauf nehmen, dass du meine Systemkritischen Beiträge keinem real existierenden Land mehr zuordnen kannst. Sorry.

Souks von Marrakesch

Wir gehören zur Elite der Orientierten.

Vermutlich haben wir in den letzten Tagen in den Souks so 20 km zu Fuß abgelaufen. Wo es wohl auch 15 km getan hätten. Aber hey. Wo Google versagt und Instinkt alles ist, was einem noch bleibt. Nicht so schlecht.

In der Médina von Marrakesch kann man Tage lang planlos umherirren, und kommt doch ständig wieder an den gleichen Orten vorbei, die man nur scheinbar zu kennen glaubt.

Gerüche. Rohes Fleisch. Gewürze. Parfum und Katzen-Pipi. Jeder Windzug ein neues Aroma.

Es gibt keine farbenfrohen Fotos von unseren Streifzügen. Denn jedesmal wenn man sein Handy zuckt, für Foto oder Navigation, verrät man sich als Irrender. Nicht wir.

Dennoch: Farbe ist das krasse Ding in Marrakesch. Überall.

Naja, deswegen kommt man auch her

Die Fülle der Berichterstattung über untergegangene Kulturen täuscht über die Hauptbeschäftigung an der Riviera Maya hinweg: Sonnen, Baden, Essen, Trinken… Es gibt trotzdem hier aus Mexico keine Essen-Berichte, und keine Liste der besten Drinks. Einfach deshalb, weil das Schreiben darüber einen vom Essen und Trinken zu lange abhalten würde…

 

 

 

Es wird diesmal eine kleine Abschiedszeremonie im engsten Kreis geben. Auch darüber berichten wir nicht ausführlich, aus Gründen der Pietät. Nur soviel: Silke musste sich 2014 in Honolulu in einem bewegenden Moment von ihren langjährigen Reise-Gefährten „Meine-leisen-Treter“ trennen. Diesmal trifft es mich, ich lasse Izquierda und Derecha nach vielen Kilometern auf diesem Kontinent zurück.

Noch mal Maya

Und dann gibt es noch Tulum, die einzige Maya-Siedlung am Meer. Wirklich sehr schön gelegen. Pittoresk.

Es ging hier wohl auch um Handel früher. Natürlich hatte man dafür einen eigenen Gott, der auch zuständig war für Krieg (sind halt Amerikaner hier). Überraschenderweise gönnt man sich hingegen eine eigene Göttin nur für Selbstmord, was darauf schließen lässt, dass man hier doch weitgehend spassbefreit gewesen ist. Man findet in Tulum auch keinen Spielplatz (vgl. andere Maya-Berichte).

 

 

 

 

 

 

 

Heute könnte man hier Echsen kicken. Die widerlichen Salamander hängen überall rum, hunderte in allen Größen. Und es gibt hier meterlange Schlangen. Wirklich nicht schön, was hier an Tieren vorgehalten wird.

 

 

Gibt aber auch noch mal schöne Bilder von Touristen.

Juego de Pelota

Lange Zeit dachte ich, Ballspieler sei ein eher undankbarer Job im Maya-Reich gewesen. Man musste manchmal tagelang ohne Pause spielen, bis mal jemand ein Goal erzielt. Dann waren die meisten Mitspieler schon tot. Und die Überlebenden, unter ihnen ja wohl auch der Torschütze, wurden gerne geopfert. „Das war das Spiel meines Lebens“-Kommentare haben da eine ganz eigene Bedeutung.

Jetzt, wo wir verschiedene Austragungsorte in Yucatan besucht haben, bin ich anderer Meinung.

Ganz grob hat die urbane Maya-Society diese Jobs zu vergeben: Herrscher, Priester, Maisbauer, Krieger und Ballspieler.

Herrscher haben es nicht so leicht. Sie müssen Gott spielen, sich mit Priestern rumärgern, und sind die Ersten die enthauptet werden, wenn der Spanier kommt.

Priester sollten Mathe können, und müssen oben auf der Pyramide sitzen. Für jede außerberufliche Aktivität müssen Priester die ganze Pyramide runterklettern und nachher wieder hoch. Deswegen haben Priester auch selten Kinder. Zum Ausgleich dürfen sie Menschen opfern.

Maisbauern müssen im Jungle Mais anbauen, was anstrengend ist. Und man wird vom Jaguar gefressen.

Krieger ist nicht so schlecht. Man hat zu tun, denn es gibt viele Nachbarn. Die Regeln bei Gefangennahme sind kein westlicher Standard, man kriegt live das Herz herausgeschnitten, und der Sieger muss abbeißen.

Aber Ballspieler ist cool. Man muss ja nicht in der Top-Liga mitmischen und im Juego de Pelota von Chichen Itza spielen. Da endet das oft wie beschrieben. Aber es gibt im jedem Maya-Kaff eine ganze Reihe von schönen lauschigen Courts. Zum Beispiel hat die Stadt Coba rund ein Dutzend Spielstätten und bestimmt ähnlich viele Clubs, keiner wohl über Regionalliga. Das Spielerleben ist ein Traum: Man muss nicht Arbeiten, stelle ich mir vor. Es gibt im Maya-Rechtsstaat kein Betäubungsmittelgesetz, und keine Anti-Doping-Behörde. Vor dem Spiel kriegt man den härtesten Shit, den die Natur gerade zur Verfügung stellt. Dann spielt man solange es geht, gewinnt einen Preis. Und die Herzen der Maya-Mädels fliegen einem zu.

Berufswahl kann so leicht sein.

Chichen Itza

Das großartigste an Chichen Itza ist bestimmt die Pyramide. Danach auf jeden Fall der Juego de Pelota, der ein Special kriegt.

Aber mein Persönlicher Geheimtipp sind die Opfersteine, einer schöner/schauriger als der andere (ich weiß dass das sonderbar klingt, aber keine Angst, ich habe eine Psychologin dabei).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und jetzt noch Fotos von uns,

 

 

 

 

und ein paar Tieren…

Schluss Ende Aus

Unsere Reise endet, wie sie begonnen hat: Dekadent. Gerade noch vor dem Nachtflug in der Star Alliance-Lounge eine Dusche genommen, dann Häppchen und Drinks, und nun der Schlussbeitrag.

Das wird nun nicht der Alibi-Bericht über soziale Brennpunkte in Lateinamerika. Wir gucken alle Fernsehen, wir wissen das. Und ja: Man kriegt beim kontinentalen Frühstück im Hotel in Rio de Janeiro das Käse-Gebäck für den Tag mitgegeben, das man dann an der nächsten Ecke an Bettel-Kids abgibt [in der Familie haben wir die Geschichte von Marie-Antoinette mit dem Kuchen strapaziert, so kommt einem das ein bisschen vor].

Wenn man in – in westlichem Talk – Schwellenländer fährt, wird man immer hin- und hergerissen sein. Das war in Malaysia so, das war in Argentinien und Brasilien so. Man fragt sich: Wie kann eine U-Bahn-Fahrt in Rio so viel kosten (1 Euro), wer kann sich das denn leisten hier? Wie viel Strom brauchen die bloß für ihre ganzen Klimaanlagen?

Wie kann ein Staudamm den Strom für 20 % der 200-Millionen Brasilianer erzeugen? Wieso essen die Leute hier Fleisch mit drei Beilagen, nämlich Reis, Pommes und Kartoffelpüree gleichzeitig? ? ? ?

Ein bisschen was haben wir geklärt, aber mehr Fragen sind aufgekommen… Macht nicht’s, das ist ja der Spass dabei! Bis zum nächsten Mal!

Noch so’n doofes Rätsel

Der kühlste, öffentlich zugängliche Ort hier ist die U-Bahn [1]. Wobei der Temperatur-Unterschied zwischen im-Zug und auf-dem-Bahnsteig um die zwanzig Grad beträgt. Das regt den Kreislauf an.

Oben an der Erdoberfläche, die sich mit den vielen Erhebungen hier von Meeresniveau bis auf 721 Meter erhebt [2], ist es nahe 40 Grad. Das ist auch für die vielen Ur-Einwohner nicht einfach, die diesen Sommermonat Janeiro nennen [3]. Jedenfalls sind Einheimische, die mit uns in langen Warteschlangen an Attraktionen in der Sonne standen, wegen der Hitze umgefallen. Man kann nur froh sein für die Teilnehmer, dass große Sommersportveranstaltungen hier kurzerhand im Winter stattfanden [4].

Wir haben früh am Tag eines der sieben modernen Weltwunder besichtigt [5]. Es ist eine Statue, die exakt zwei Meter höher ist als der Nierswalder Kirchturm [6]. Der Ort wird von den hiesigen Landsleuten offenbar wie ein Wallfahrtsort angesehen. Überhaupt scheint es so, dass die Leute schon früh im Kindergarten zwei Dinge eingebläut bekommen: Wie man gute Caipirinhas macht [7], und dass man sich einmal im Leben mit ausgebreiteten Armen vor  der Statue ablichten lassen muss.

Nicht alle versuchen sich wegen der Hitze möglichst nicht zu bewegen. In den Parks gibt’s Leute, die Capoeira üben. Dessen Geburtsstätte ist zwar Bahia, aber anscheinend ist der Trend auch hier im Süden und in den eher bürgerlichen Schichten angekommen [8]. 

Außerdem gibt’s noch einen Berg, der wie ein Zuckerhut aussieht [9], und einen Strand der Copacabana heißt [10] [keine Lust mehr auf blödes Rätsel].

Also nun Dalli Dalli. Und in Kurzform alle Hinweise zusammengefasst:

[1] Stadt mit U-Bahn. [2] Hügeliges Terrain. [3] Man spricht portugiesisch. [4] Stadt liegt nicht in Katar. [5] Weltwunder. [6] 30 Meter hohe Attraktion. [7] Cocktail ist Nationalgetränk. [8] Stadt liegt südlich von Salvador de Bahia. [9] Zuckerhut und [10] Stadtstrand.

Iguaçu heißt einfach nur großes Wasser

bei den Guaraní.

Mit großem Tamtam sind wir hier angekommen. Der Pilot hatte wohl noch Schnapslaune von Silvester, und hat ein paar Runden über die Wasserfälle gedreht. 188 Leute haben gejubelt, einer 2 Reihen weiter vorne hat sich die Seele lauthals aus dem Leib gekotzt.

Dann kam das große Stempelsammeln-im-Reisepass. Wir landen in Argentinien, wohnen aber drüben in Brasilien, fahren aber am nächsten Tag wieder zurück, aber nur für einen Tag. Silke, nicht aufgepasst, hat einen Ausreisestempel  zuwenig gekriegt. Sie gilt seither für immer als in Argentinien verschollen. Das ist auch der Grund, warum wir nicht mehr nach Paraguay fahren (auch hier), weil, wie soll eine Vermisste ’ne Grenze hin- und rück? Obwohl, ich seh sie ja, hier in Brasilien…


Über die Wasserfälle kann man nichts sagen. Nur, ganz großes Kino. Legendär. Der Amerikaner würde sagen: Vergiss Niagara (Neidtschärra, wir erinnern uns), das ist eine Pfütze. Ich schneide gerade aus dem Bewegtbildmaterial von heute einen einstündigen Dokumentarfilm zusammen, den ich jeden zwingen werde anzusehen. Nur Szenen mit Wasser aus allen Richtungen.


Wegen des Krachs, den das Wasser macht, suche ich noch einen epochalen Soundtrack. Auch wieder denke ich über ein Tierspecial nach, es fehlt mir aber ein Foto dieses Krokodils, das nur Kinder-groß da ‚rumlag. Ich dachte, es kommt noch was Größeres, kam es aber nicht. Und wie beim Einkaufen, dann geht man auch nicht mehr zurück, es is ja bestimmt jetzt weg..

Buenos Aires

Einziehen, Ausziehen, Weiterziehen. Auch ohne Auto ist der Rhythmus gleich geblieben. – Kommt man aus dem Landesinnern nach BA, fliegt man gaaanz lange über viel Stadt, man muss die 13 Mio. Leute ja irgendwo unterbringen. Und unten angekommen, braucht’s ja nur eine 16-spurige Straße, Krach, U-Bahn und viele Menschen, und man ist im Metropolen-Modus (man geht anders über die Straße, hält seine Tasche anders, redet anders, riecht anders…). Könnte also fast überall sein.

Bis man dann die Extras entdeckt. Plaza de Mayo. Der Tango. La Boca. Milongas. Evita.


Und die Einwohner. Wir sind stolz, weil wir unsere Eingangsfrage von vor ein paar Wochen klären konnten: die BuenosAiresianer heißen Porteños. Und was nun unterscheidet den Porteño vom gewöhnlichen Argentinier? Außer dem üblichen Stadt-Land-Gefälle?

Man telefoniert immer, und immer affektiert. Man spricht per Freisprech in sein cellular, als wenn man sich einen Riesen-Keks in seinen Mund schieben will. Das ganze so laut, damit auch in der ohrenbetäubenden U-Bahn jeder alles mitkriegt. Privatsphäre, Datenschutz, alles Mumpitz.

Für ein lockeres Vehältnis zum Datenaustausch spricht auch der örtliche Silvester-Brauch. Ab 30.12. wird aufgeräumt: Man geht seine Kalender und Kontoauszüge durch, und wirft einfach alle Zettel aus dem vergangenen Jahr aus dem Fenster.

 Hat man wohl mal bei Konfetti-Paraden aus New York gesehen und beschlossen, dass man sich das Schnipsel-machen spart. Hat auch was von öffentlicher Beichte, kann man doch unten auf dem Gehweg nachschauen, wen der Nachbar dieses Jahr wann gedatet hat, und wieviel das gekostet hat.

Mal sehen, ob es heute Abend noch andere Überraschungen gibt. Wir haben übrigens immer noch keine Einladung zu Silvester. Langsam wird es eng…

Gefährten der Landstraße (1)

Unser 5.000 km Roadtrip durch die argentinische Provinz ist zu Ende gegangen. Morgen geht’s von Mendoza nach Buenos Aires, und damit in die Stadt, in der schon die meisten Landsleute leben, und in die fast der ganze Rest hin will.

Außer vielleicht die echten Gauchos, die es immer noch gibt, die aber wie durch Geisterhand von allen Fotos, die man von ihnen knipst, verschwinden. Vielleicht wird auch diese Magie dem kleinen Gil Núñez zugeschrieben, den hier alle so verehren (Laufband am unteren Bildschirmrand: Bitte nicht mehr mitraten! Die Leitungen sind geschlossen, der Gewinner steht fest. Bitte nicht mehr mitraten! Die Leitungen…)


Tatsächlich heute, am letzten Straßentag, haben wir eine ganze Gruppe von Menschen an einem Gauchito-Schrein feiern gesehen, schön in der prallen Mittagszeit. Warum man dem Helden Alkohol in jeder Form spendet – meist aber den Tütenwein vom hiesigen Aldi, bleibt deren Ding.

Zum Trost für die Freunde von Che und Jesus: Die Antworten waren auch komplett wahr, aber eben nicht richtig -:)

Kadaver

Die letzte größere Tierkollision im unmittelbaren Bekanntenkreis hatte Karl-Josef (Anfang der Achtziger, Moped vs. Reh). Hier treibt sich jeden Tag Viehzeug auf der Straße rum, was einen die durchschnittliche Fahrgeschwindigkeit reduzieren lässt. Die Liste ist lang: Nandu, Guanko, Pferd, Esel, Wüstenfuchs, Lama, Schaf, Ziege, Geflügel. Knapp war es mal mit einem Widder und einem Riesenhund. Nach einer Weile ist klar, das die Skelette am Fahrbahnrand nicht von der Tourismusbehörde so pittoresk angeordnet werden.

Gestern sind zwei dazu gekommen: Rind und Geier. Den Job hat aber wohl den Blechresten zur Folge ein Truck erledigt. ToiToiToi, noch ein Tag, und wir sind erst mal ‚runter von der Straße.

Ein weiteres Problem der Überlandreisen sind Wegelagerer (nicht solche wir der berühmte Gauchito Gil). In diesem über-militarisierten Land gibt es einfach zu viel Polizei, weil jede Provinz gleich mehrere Einheiten hat, die ja auch alle finanziert werden müssen. – Aber wir wollen fair bleiben, bei den ca. 30 Straßensperren und Willkür-Kontrollen gab es jetzt den ersten Fall, wo uns ein mopsiger Polizist und sein jefe Geld abpressen wollten. Wir haben dem getrotzt, obwohl die Riesen-Wummen hatten…

Eigentlich wollten wir nur nett in den Mond-ähnlichen Nationalpark Ischigualasto, Weltnaturerbe wegen seiner Dinosaurier. Die sind natürlich schon vor langer Zeit totgefahren worden, liegen aber noch ‚rum. Aber die Landschaft ist einfach bizarr-faszinierend.

Gewinnspiel!

Es ist Zeit für das beliebte Format „Wahrheit oder Lüge“. Richtige Antworten werden mit einer Einladung zum Essen Humita alla olla geehrt. Wer googlet, wird disqualifiziert:

Also, überall im Argentinien findet man am Straßenrand Schreine. Mal groß, mal klein, muss es Leute geben, die hier regelmäßig Opfergaben niederlegen und/oder Rituale abhalten.


Und Achtung, jetzt kommt die Quizfrage: Wer wird hier verehrt????

Antwort A – ERNESTO CHE GUEVARA

Inzwischen ist in links-bürgerlichen Kreisen längst bekannt, das Ernesto nicht Cubaner oder sonst was Revolutionäres war, sondern Argentinier. Aufgewachsen in Cordoba (vgl. Cordoba, Demonstrationen und Proteste). ‚Che‘ soll man ihn im spanischen Sprachraum deshalb liebevoll nennen, weil die Argentinier eben anders spanisch reden, mit viel tsch und schsch, und lange Worte mag man hier eh nicht. Dennoch, auch ohne eigene vielversprechende und nachhaltige Revolutionsbemühungen, verehrt man ihn in Argentinien allenthalben. Tipp: wofür stehen wohl die roten Fahnen?

Antwort B – JESUS CHRISTUS

Ja, ganz oben in der katholischen Rangliste steht Maria. Aber in der Folge der Befreiungstheologie, und erst recht jetzt, wo nicht mehr wir (D) Papst sind, sondern wo jetzt wir (ARG) Papst sind, erlebt Jesus eine neue Popularität. Jesus (in der Aussprache Cchesuuus) ist auch wieder ein sehr beliebter Vorname für Jungs. Originaldialog in einem Hotel neulich: [David] „eh, Jesus, ich will den Gästen das WLAN-Passwort geben. Wie is das noch mal?“ – [Jesus] „das weiß ich nicht auswendig.“ – [David] „wieso weißt du das nicht, du bist doch Jesus!“ [David lacht, Jesus gequält, verflucht innerlich seine Eltern]. – Wie auch immer, gerade die Landbevölkerung, und auch die Trucker, verehren J.C. auch am Straßenrand.

Antwort C – GAUCHITO GIL

Der kleine Gaucho Gil Núñez wurde vom Frauen- zum Volkshelden. Als einfacher Landarbeiter hatte er was mit einer reichen Witwe. Eine opportune Strategie für den sozialen Aufstieg, hat es ihm aber Neid, Ärger und Flucht eingebracht. Im Wald überfiel er Reiche und verschenkte es an Arme (der Vorname Gil in englisch lautet Robin). Schließlich wurde er 1878 umgebracht, nicht ohne weitere Mythen und Wunder zu hinterlassen. Da sich letztlich jeder ein amoröses Leben in sozialer Verantwortung, mit einem richtig starken Abgang wünscht, hat er es im Volksansehen ganz weit nach oben gebracht.

Auflösung gibt’s die Tage, zusammen mit dem Special „Gefährten der Landstraße „.

Ruta 40

Was in den USA die Route 66 ist, ist in Argentinien die RN 40. Ein Ziel vor allem für Biker, besonders im Süden, wo es keinen Asphalt mehr gibt. Da unten beginnt man wohl auch mit dem Zählen, denn wir hier im Norden sind ein paar Stunden auf der 40 gefahren, so um und bei Kilometer 4.200.

Die Heilige Nacht in Salta war dann noch ganz überraschend. Nachdem man allgemein um 22:00 ‚raus zum Essen geht, gibt’s um Mitternacht Feuerwerk. Bange Frage bleibt, was man Silvester dann noch so macht. Außerdem haben wir immer noch keine Einladung für Silvester…

Unterwegs nach Süden kommt man in Cafayate durch. Eigentlich heißes Cactus-Land, wächst aber wieder Wein. Den Torrontés (weiss) gibt’s auf der Welt nur hier. Lässt sich aber für Fahrer und Beifahrer nicht verkosten, weil am 25.12. dann doch alles zu hat. Übrigens, immer muss ich (AJ) in die Alkoholkontrolle, gleich zweimal heute, und die Straßensperren der Polizei sehen immer so martialisch aus…


Und dann kommt man nach Quilmes, eine präkolumbianische Ruinenstadt. Das Völkchen der Quilmes hat hier lange vor sich hin gelebt und Mais angebaut. Selbst als die Inka auf ihren Raubzügen vorbeischauten, konnte man sich widersetzen, dank der wirklich coolen Verteidigungsanlagen. Und der Inka an sich lässt sich nicht so leicht abwimmeln.


Inka und Quilmes sind dann doch in die Knie gegangen, wie man nun weiß. Weil die Spanier unfair spielen, und die Leute aushungern. Die letzten 2.000 Quilmes hat man weit weg umgesiedelt, und dort wird heute ein lecker Bierchen gebraut.


So, das war nun der Geschichtsteil. Für Alle, die über Tierfotos lästern, kommt jetzt gleich noch das Lama-Bild.

Cactus, der neue Pinguin

Salta gefällt uns. Schöne Gebäude, ein bisschen Kolonialstil. Es scheint, als haben die Leute alle Geschenke zusammen, weniger Hektik. Und schließlich verbringen wir hier Weihnachten.

Vorher aber noch hoch in den Parque Nacional Los Cardones, Bergen trotzen und Kakteen suchen. Es war dann auch gar nicht soooo schlimm mit der Auffahrt auf 3.400 Meter. Das ist schon höher als das meiste in Europa. Da gibt’s eine gigantische Hochebene, und dann geht’s für die Condore noch weiter ‚rauf bis auf 6.600.


Für uns war hier aber das Ziel erreicht, denn wir haben an der heutigen Cactus-Zählung teilgenommen.  Nur die mit Blüten, die größer als Silke sind kamen in die Wertung. Das Ergebnis ist leider geheim.